Bewegung in der Hitze: Wann es gefährlich wird.
- Projekt Sportsfreunde

- 12. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wie heiß ist zu heiß für den menschlichen Körper?
Extreme Hitze ist längst nicht mehr nur ein Problem für ferne Wüstenregionen – sie betrifft uns alle. Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen häufiger, länger und intensiver. Für unseren Körper kann das lebensgefährlich werden, wenn er seine wichtigste Überlebensstrategie – das Abgeben überschüssiger Wärme – nicht mehr schafft. Doch ab wann wird es kritisch?
Die gefährliche Grenze: Feuchte Hitze als Maßstab
Unser Körper kühlt sich vor allem durch Schwitzen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, entzieht das unserem Körper Wärme. Doch bei feuchter Luft funktioniert dieser Mechanismus immer schlechter. Wissenschaftler*innen messen daher oft die sogenannte feuchte Temperatur (Wet-Bulb Temperature, WBT). Lange galt ein WBT-Wert von 35 °C als absolute Obergrenze – alles darüber sollte der menschliche Körper nicht mehr aushalten können. Neuere Studien zeigen jedoch, dass es schon früher gefährlich wird: Bei etwa 31 °C WBT stoßen selbst junge, gesunde Menschen unter Ruhebedingungen an ihre Grenzen.
Die Rolle von Alter, Aktivität und Umgebung
In Experimenten in speziellen Klimakammern zeigte sich, dass Alter und körperliche Aktivität die Belastungsgrenze deutlich senken. Ältere Menschen erreichen ihre kritische Körperkerntemperatur (etwa 40 °C) schneller. Und wer sich bewegt – ob beim Treppensteigen, Gehen oder Sport – produziert zusätzlich Wärme, die der Körper abführen muss.
Für junge Erwachsene im Schatten liegt die Schwelle zwischen 26 °C und 34 °C (je nach Luftfeuchtigkeit), für ältere Personen eher zwischen 21 °C und 34 °C. Sonneneinstrahlung kann diese Grenzen weiter senken.
Hitze und Bewegung: Eine riskante Kombination
Körperliche Aktivität bei hohen Temperaturen kann die Wärmelast massiv steigern. Beim Sport steigt die Körperkerntemperatur ohnehin um 1–2 °C, da Muskeln Wärme produzieren. Unter Hitzebedingungen muss das Herz gleichzeitig den Kreislauf stabil halten und mehr Blut zur Haut pumpen, um Kühlung zu ermöglichen – eine Doppelbelastung, die schnell zu Überhitzung führen kann.Selbst trainierte Menschen sind nicht immun: Schon bei moderater Belastung in heiß-feuchter Luft kann der Kreislauf innerhalb von Minuten an seine Grenzen geraten. Experten empfehlen daher, intensive Sporteinheiten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, schattige und gut belüftete Orte zu wählen und die Intensität deutlich zu reduzieren.
Belastung | Umgebung | Risiko für Überhitzung |
Leichte Bewegung (Gehen) | < 28 °C WBT, Schatten | Niedrig |
Moderate Bewegung (Radfahren, Wandern) | 28–31 °C WBT, Sonne/feuchte Luft | Mittel bis hoch |
Intensive Bewegung (Laufen, Teamsport) | > 31 °C WBT, feucht oder windstill | Sehr hoch – Kreislaufkollaps möglich |
Jegliche Bewegung | > 35 °C WBT | Akute Lebensgefahr |
Strategien gegen Überhitzung
Neben dem klassischen „viel trinken“ können auch gezielte Abkühlungsmethoden helfen:
Regelmäßiges Benetzen der Haut: Ein feuchtes Tuch im Nacken oder das Besprühen mit Wasser kann bei trockener wie feuchter Hitze die Kühlung unterstützen.
Schatten und Luftzirkulation: Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist Ventilation besonders effektiv, bei trockener Hitze kann auch leichte Verdunstungskühlung helfen.
Kinderwagen-Kühlung: Selbst simple Methoden wie ein feuchtes Tuch über dem Kinderwagen können Babys im Sommer um mehrere Grad kühler halten.
Fazit: Früh reagieren statt abwarten
Die Forschung zeigt klar: „Zu heiß“ für den menschlichen Körper kann deutlich früher eintreten als viele denken. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen. Wer frühzeitig auf Anzeichen von Überhitzung reagiert, ausreichend trinkt und aktiv kühlt, kann das Risiko deutlich senken – und an extrem heißen Tagen sollte man körperliche Belastung möglichst meiden.
Quellen:
Carissa Wong: Wie Hitze den Körper belastet. In: Spektrum Gesundheit, Ausgabe 04/2025, S. 30–33. Übersetzung: Katharina Menne.
M.F. Bickett et al.: Cooling strategies for infant thermal comfort and safety in strollers. Nature, 2024.
R. Meade et al.: The physiological limits to heat dissipation in humans. Journal of Applied Physiology, 2021.


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